Gefahren für den Schiffverkehr auf den Haupthandelsrouten bestehen
nach Einschätzung der Experten des deutschen Flottenkommandos
in Glücksburg heute nur selten. Doch Fischer, Wassersportler
und Schwimmer sind sehr stark gefährdet. Das gilt auch für
Bauvorhaben unter Wasser, wie zum Beispiel die Verlegung von Pipelines.
Gelegentlich werden Minen oder Munitionsteile an den Strand gespült
- ein Risiko für Spaziergänger, spielende Kinder oder Badeurlauber.
Deshalb gilt: Wer am Strand solche gefährlichen Teile entdeckt,
sollte sie auf gar keinen Fall anfassen, andere Personen warnen, den
Fundort absperren und sofort die Polizei verständigen. Wegen
dieser Gefährdung ist es wichtig, dass militärische Altlasten
beseitigt werden. „Jedes Planquadrat, dass wir als minenfrei
abhaken können, ist ein Erfolg“, sagt Reßing. Doch
bis alle Minen geräumt sein werden, dürften nach seiner
Einschätzung noch Generationen vergehen.
Schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs legte die russische Baltische Flotte im
August 1914 eine Minensperre mit insgesamt 3.280 Minen im Westausgang des Finnischen
Meerbusens. Bei den Kämpfen um die baltischen Inseln wurden von deutscher
Seite 2.200 Minen, und von russischer Seite etwa 13.000 Minen gelegt. Auch im
Zweiten Weltkrieg hatten Minen in der Ostsee große Bedeutung. So wurden
allein von Juni bis September 1941 auf deutsch-finnischer Seite etwa 5.250 Minen
und rund 4.000 Sperrschutzmittel in die großen Minensperren geworfen. Die
Baltische Flotte setzte in diesem Zeitraum ebenfalls mehr als 4.000 Minen ein.
Insgesamt wurden auf deutscher und finnischer Seite etwa 60.000 Minen eingesetzt.
Die genaue Anzahl der russischen Minen ist nicht bekannt, Experten gehen von
einer fünfstelligen Zahl aus.
Der erste gezielte Minenräumeinsatz in der Ostsee nach dem Ende des Kalten
Krieges war das Manöver „Baltic Sweep“ im Jahr 1996. Dabei wurden
in der südlichen Bucht von Riga zahlreiche dieser Altlasten entdeckt. Daraufhin
wurde die Problematik auf den diplomatischen und parlamentarischen Ebenen beraten.
Seitdem findet jährlich ein solches Minenräummanöver statt - seit
1997 unter dem Namen „Open Spirit“. Die Führung des mittlerweile
15. internationalen Minenräumeinsatzes hat der Kommandeur des 3. Minensuchgeschwaders,
Fregattenkapitän Christof Reßing aus Kiel. Er führt den Verband
vom deutschen Tender „Donau“ aus. Die Deutschen üben das Kommando über
den Manöververband bereits zum elften Mal aus. |